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Was ist "Faceless Marketing"? - Influencer ohne Gesicht

7. Mai 2024


„Faceless Marketing“ scheint ein neuer Trend zu sein – vor allem bei Instagram. Ich sehe immer öfter Reels von „Faceless Accounts“. Und laut der neuesten Google-Auswertung landen gerade einige Suchanfragen auf einem meiner Blog-Artikel, in dem es darum geht, Social Media zu nutzen – ohne sich vor der Kamera zu zeigen.

 

Das hat die Journalistin in mir geweckt und ich habe ein bisschen recherchiert. Dabei habe ich mittlerweile so oft den Kopf geschüttelt, dass ich langsam einen steifen Nacken bekomme. Denn: Das, was ich rausgefunden habe, ist mal so richtig ungeil.

 

Aber fangen wir mal von vorne an:

Was bedeutet "Faceless Marketing"?

„Faceless Marketing“ ist letztlich genau das, was es aussagt: Marketing, das nicht von einem Gesicht lebt.

 

Grundsätzlich hörst und liest du heute überall: Marketing ohne Persönlichkeit und ohne Gesicht ist für Selbstständige nicht sinnvoll – und meistens ganz schön schwierig. Das stimmt auch, denn Gesichter wecken Vertrauen. Mit deiner Persönlichkeit baust du eine Verbindung zu deinen Followern und deiner Zielgruppe auf.

 

Trotzdem ist „Faceless Marketing“ eigentlich kein neuer Trend: Viele große Unternehmen und Konzerne machen das schon immer so. Da steht ja auch nicht der CEO permanent vor der Kamera oder hüpft in Reels herum. Und es gibt auch Selbstständige, die auf ihren Accounts nie oder so gut wie nie zu sehen sind, und die stattdessen ihre Produkte in den Vordergrund stellen.

Was sind "Faceless Accounts"?

Ein “Faceless Account” zeichnet sich eben genau dadurch aus: Du wirst dort kein Gesicht sehen – oder zumindest nicht das Gesicht der Person, die wirklich dahintersteckt.

 

Was ich bisher wahrnehme: Faceless Accounts nutzen schöne Visuals: Canva-Designs, Stock-Fotos oder ähnliches. Meistens sind das sehr gefällige, hübsch anzusehende, angenehme Designs, die nicht besonders hervorstechen oder sonderlich auffällig sind. Sie sind meistens sehr austauschbar.

 

Es geht bei Faceless Accounts also weniger um die Person selbst, sondern um eine bestimmte Botschaft – und um ihre Zielgruppe. Der Account widmet sich also mehr einem Thema und erstellt Inhalte für die Follower (und die, die es noch werden sollen).

Die Vorteile des "Faceless-Marketing"-Trends

Aus Sicht einer Online-Marketing-Strategin, die gerne mit introvertierten Selbstständigen arbeitet, sollte mir bei dem Trend eigentlich das Herz aufgehen. Denn:

 

  • "Faceless Marketing" muss sich richtig gut positionieren: Zielgruppe, Thema, Formate usw. müssen super klar sein, um auch ohne Gesicht etwas zu erreichen – und vor allem, um online etwas zu verkaufen.
  • Der Beweis: Es geht auch ohne Gesicht. Wie viele meiner Kund:innen wünschen sich das und sind möglicherweise super erleichtert, weil sie sehen: Es geht ja doch! Ich muss also nicht ständig mein Gesicht in die Kamera halten.
  • Weg von der ewigen Selbstdarstellung! – Hin zu deiner Zielgruppe und deren Wünschen und Bedürfnissen. Was für ein schöner Ansatz!

Der kleine Nachteil des „Faceless-Marketing“-Trends

Alles, was ich sehe, ist super austauschbar - und wirkt so schön harmlos. Diese ganzen beigen Visuals mit denselben Canva-Schriften und schon hundertfach gesehenen Stock-Fotos von Kaffeetassen und Pampasgras … Gääääähn!

 

Das ist einerseits leider etwas, das ich schon länger auf Instagram beobachte: Spätestens seit Canva haben sich viele, viele Accounts visuell total angenähert und sind fast nicht mehr auseinanderzuhalten. Alles ist irgendwie beige.

 

Andererseits treibt es dieser „Faceless“-Trend jetzt auf die Spitze. Und ich glaube, dass er das a) sehr bewusst tut und b) das Teil des Konzepts ist.

 

Damit sind wir beim spannenden Teil dieses Blog-Artikels angekommen:

Meine Kritik am „Faceless-Marketing“-Trend

Nachdem ich wieder mal über eins dieser faceless Reels gestolpert bin, habe ich mir ein paar der Accounts dahinter angesehen. Ich werde hier keine Benutzernamen veröffentlichen, aber zumindest einen Ausschnitt aus der Bio:

Ausschnitt aus der Bio eines

Und so sieht zum Beispiel ein Reel eines "Faceless Accounts" aus:

Screenshot eines Reels eines Faceless Accounts. Man sieht ein Stock-Foto mit offenem Laptop, auf dessen Bildschirm steht

Tatsächlich sehen sehr viele genau so oder ähnlich aus. Viele haben auch etwas mit „faceless“ im Namen.

 

Wenn mir irgendwo schon im Profil so plakativ das schnelle Geld versprochen wird, dann werde ich stutzig. Vor allem: Wie will jemand innerhalb von acht Wochen ein digitales Produkt entwickeln und damit direkt 2.000 Dollar Umsatz machen?

 

Well … Das muss diese Person nicht.

 

Dieser aktuelle Trend scheint nämlich ein einziges Schneeball-System zu sein, das nur davon lebt, dass immer neue Menschen auf diese Masche hereinfallen. (Ein Grund, warum ich diesen Blog-Artikel schreibe.)

Es wimmelt online nur so von „Faceless-Marketing“-Kursen

Auf den Accounts, die ich entdeckt habe, war immer die Rede von „UBC-Kursen“, „MRR“ und „PLR“. Und ich so: WHAT?

 

Also habe ich gegoogelt und bin relativ schnell auf Etsy gestoßen – und die vielen, vielen Kurse und Produkte, die es zu „UBC“, „MRR“ und „PLR“ gibt.

Was ist Faceless Marketing? Screenshot von Etsy, auf dem zahlreiche Online-Kurse zum Thema Faceless Marketing zu sehen sind.

UBC: Ultimate Branding Course

„UBC“ bedeutet in dem Fall „Ultimate Branding Course“, also der Kurs für ein ultimatives Branding. Wobei „der“ Kurs hier falsch ist, denn es gibt mehrere Kurse von verschiedenen Anbietern. Die Preise der Kurse variieren. Von knapp 400 bis 1.200 Dollar (im Sale) habe ich alles gesehen.

 

In den Kursen soll es darum gehen, wie du dein ultimatives Branding für Social Media entwickelst und damit auch in Social Media digitale Produkte verkaufst.

 

Du hast noch gar keine Produkte? Na, das ist in diesem Fall auch kein Problem.

MRR: Master Resell Rights

Gleichzeitig mit einem dieser Kurse erwirbst du oft die „Master Resell Rights“. Du bekommst also das Recht, den Kurs weiterzuverkaufen – und laut der offiziellen Angaben darfst du auch 100% des Profits behalten.

PLR: Private Label Rights

Was auch häufig im Zusammenhang mit diesen Kursen verkauft wird, sind die „Private Label Rights“. Das bedeutet, dass du z. B. Social-Media-Templates anpassen und verändern darfst, bevor du sie weiterverkaufst.

Ist das rechtlich sauber?

Da ich keine Juristin bin, kann ich diese Frage nicht abschließend beantworten oder wirklich tiefgehend einschätzen. Aber nach meiner Recherche sind die Grundsätze rechtlich ok. Online-Kurse kennen wir mittlerweile fast alle, die sind etabliert.

 

Und wenn ich mich dazu entschließe, dass andere meinen Kurs weiterverkaufen und den Gewinn behalten dürfen oder dass jemand meine Templates verändern und wiederum verkaufen darf, dann ist das meine Entscheidung.

Wo ist dann der Haken beim „Faceless Marketing“-Trend?

Meine Einschätzung ist, dass Vieles von dem, was ich gerade sehe, ein Schneeball-System ist. Es gibt ein paar Herausgeber solcher Kurse (UBC oder „Faceless-Marketing“-Kurse). Diese versprechen das Blaue vom Himmel – und natürlich das ganz schnelle Geld.

 

Letztlich lebt das alles aber ja nur davon, dass alle diese Kurse und Templates verkaufen. Nur so wird in dieser Blase überhaupt Umsatz generiert. Das System erhält sich also nur selbst. Nach dem Motto: „Mit diesem Kurs verdienst du schnell online Geld – indem du diesen Kurs verkaufst“.

 

Was ich daran besonders gemein finde: Dieses Marketing spielt mit einem Wunsch, vielleicht schon fast einer Sehnsucht, den / die auch viele meiner Kund:innen haben. Es verspricht: „Du musst dich nicht selbst zeigen. Du kannst hier ganz anonym und ohne dein Gesicht auftreten und damit Geld verdienen – und zwar schnell.“

 

Das macht es für mich gleichzeitig auch gefährlich.

Disclaimer

  1. Ich habe keine Beweise dafür, dass das alles so ist, wie ich es hier darlege. Was ich hier schreibe, beruht einzig und allein auf dem, was ich wahrnehme und was ich recherchiert habe. Ich habe weder einen dieser Kurse gekauft und mitgemacht, noch mit Teilnehmer:innen gesprochen.

    Es wirkt für mich aber alles wie ein Schneeball-System – aus
    zwei Gründen:

    Aus eigener Erfahrung von vielen meiner Kund:innen weiß ich,
    wie schwierig es sein kann, mit Social Media Kund:innen zu gewinnen – und dass dafür viel Vertrauen und Verbindung nötig sind. Dass das ohne Gesicht und so schnell möglich sein soll, ist aus meiner Sicht unwahrscheinlich.

    Die Accounts, die ich entdeckt habe,
    werben alle für den Kurs, den die Person hinter dem Account – angeblich – selbst absolviert hat. Das hat mich sehr stutzig gemacht.

  2. Sicherlich sind nicht alle Accounts, die ohne Gesicht auftreten, Teil dieses „Faceless-Marketing“-Trends, den ich hier beschreibe. Es gibt so viele introvertierte, sensible und schüchterne Selbstständige, die sich nicht selbst zeigen möchten (oder zumindest nicht ständig) und stattdessen Themen in den Vordergrund stellen.

    Allerdings:
    Seriöse Accounts sind transparent und weisen darauf hin, dass sie an Kurs-Einnahmen beteiligt werden (oder sie sogar zu 100% behalten dürfen). In der Regel bewerben sie auch nicht ausschließlich ein – fremdes – Produkt.

Fazit: Bitte bleibe kritisch und hinterfrage, was dir bei Instagram und Co. versprochen wird

Wie gesagt scheint das alles, was ich hier beschreibe, ja rechtlich ok zu sein. Es ist „nur“ – aus meiner Sicht – moralisch verwerflich. Wie gesagt: Ich finde es mega perfide, einen tiefen Wunsch vieler Menschen so schamlos auszunutzen. Eigentlich sind es ja sogar mehrere Wünsche: mehr Geld, ein eigenes Business, Social Media ohne Gesicht …

 

Deshalb kann ich mich nur immer und immer wieder wiederholen: Glaub bitte nicht alles, was du online – und gerade in Social Media – siehst. Du weißt nie, was dahintersteckt. Du weißt nie, ob der Porsche nur zufällig im Hintergrund steht, die Palmen von Photoshop kommen (oder von einer KI) und die Rolex geliehen ist.

 

Was du wirklich brauchst, wenn du online Kund:innen gewinnen möchtest:

  1. Eine klare Positionierung (Was bietest du für wen an?)
  2. Ein Angebot, das deine Zielgruppe wirklich braucht und haben möchte
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Hi, ich bin Steffi

Steffi Müsse sitzt mit einem hellen Pullover an einem Tisch und schreibt in ein Notizbuch.

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